Kurzchronik der Kolpingsfamilie Vilseck e.V.



Die Kolpingsfamilie (früher Kath. Gesellenverein) Vilseck wurde am 9. November 1884 auf Anregung des Schuhmachergesellen Leonhard Söllner gegründet.

Zur Gründungsversammlung trafen sich 40 Bürgersöhne von Vilseck im Gasthaus Schlegl (Schlegldammerhaus). Das Amt des ersten Präses des neugegründeten Gesellenvereins übernahm Cooperator Johann B. Hierl (der Später Weihbischof von Regensburg wurde). Zum 1. Senior wurde Stadtmüller Josef Kraus und zum Schriftführer Lehrer Rudolf Schmaus gewählt. Auch eine stattliche Anzahl Vilsecker Bürger traten als Ehrenmitglieder dem Verein bei. Der 5. Juni 1887 war ein großer Tag für den jungen Verein, konnte doch die neu erworbene Fahne (Preis 400,- Mark) geweiht werden. Ein Jahr später, 1888, wurde eine Theaterbühne angeschafft und eine rege Theatertätigkeit begann, die bis 1984 anhiellt.

Große Freude herrschte bei den Gesellen, denn im November 1895 läßt der Herbergsvater Schlegl die elektrische Beleuchtung im Vereinssaal einbauen (die erste elektrische Beleuchtung in Vilseck). Durch Vorträge und Schulungskurse in Zeichnen und Stenographie usw. versuchte die Vorstandtschaft, ihre Mitglieder fortzubilden. In den Kriegsjahre 1914 - 1918 ging die Vereinstätigkeit sehr zurück, da alle jungen Männer zu den Waffen gerufen wurden.

Nach dem Schrecken des 1. Weltkrieges wurde dem Gesellenverein das Vereinslokal gekündigt. Dadurch wurde der Verein gezwungen, seine Versammlungen in verschiedenen Gasthäusern abzuhalten. Erst im Jahre 1931 konnte der Verein unter Leitung von Präses Josef Brandl das jetzige Kolpinghaus (ehemaliges erzbischöflich-bambergisches Schloß) für 2.500,- Mark vom Bayerischen Staat erwerben.

Durch großzügigen Umbau wurde ein für die damalige Zeit modernes Vereinshaus geschaffen, das auch vielen wandernden Gesellen als Unterkunft diente. Große Verdienste erwarben sich die Mitglieder, die durch ihr handwerkliches Können viel Gelingen beitrugen. Es bestand wieder eine rege Vereinstätigkeit; Theateraufführung, Vorträge und Schulungskurse bereicherten das Vereinsleben. Doch bald legte sich der Schatten des Nationalsozialismus auf den Verein

Beim Gesellentag 1933 in München bekamen auch die Vilsecker Gesellen die Methoden des Nationalsozialismus zu verspüren. Im Laufe der Zeit wurde die Vereinsabende verboten, die Zusammenkünfte wurden in die Kirche verlegt. Im März 1940 übernahm Benefizial Luitpold Schosser das Amt des Präses. Während seiner Amtszeit wurde er wegen sein mutigen Eintretens für die Kath. Kirche dreimal von der Gestapo verhaftet.

Nach dem Zusammenbruch des 3. Reiches holten treue Mitglieder die Vereinsfahne wieder aus ihrem Versteck, und am 16. Mai 1946 wurde die erste Versammlung im Gesellenhaus abgehalten. Im März 1947 wurde Benefizial Alois Hirschberger zum Präses der Kolpingsfamilie ernannt.

Obwohl das Kolpingshaus mit Flüchtlingen belegt war, erlebte der Verein eine neue Blütezeit. Schulungskurse in Rechnen und Schriftverkehr sowie Berufsförderkurse wurden abgehalten. Durch die rege Theatertätigkeit konnte das Kolpingshaus zu dem ausgebaut werden, was es heute ist. Benefiziat Hirschberger leitete bis zu seinem Tode im Januar 1878 als Präses die Kolpingsfamilie.

Unter Präses Stadtpfarrer Georg Bauer und 1. Vorstand Herrmann Kraus wurde das Kolpingshaus gründlich renoviert und dient den Mitgliedern für Vereinsabende und Veranstaltungen im Sinne des Gesellenvaters Adolph Kolping.